Was bleibt? – Vom Grabstein zur Cloud
Was bleibt? – Vom Grabstein zur Cloud
Ein Salonabend über Erinnerungskultur, digitalen Nachlass, Zeitzeug*innenschaft und Künstliche Intelligenz.
Erinnern braucht Medien: Grabsteine, Fotografien, Briefe, Tonaufnahmen und Filme bewahren Spuren von Menschen über ihren Tod hinaus. Heute kommen digitale Archive, Social Media, digitale Nachlässe und zunehmend auch Künstliche Intelligenz hinzu. Doch was verändert sich, wenn sich unsere Formen des Erinnerns verändern?
Der Abend folgt einer kulturhistorischen Spur: vom Grabstein über Fotografie, Ton und Film bis zum digitalen Archiv und zur interaktiven Erinnerung. Das Neue ersetzt dabei nicht das Alte – es legt eine weitere Schicht über unsere Erinnerungskultur.
Besonders spannend wird diese Entwicklung dort, wo die unmittelbare Zeitzeug*innenschaft endet. Wenn die letzten Menschen sterben, die etwa Nationalsozialismus, Holocaust, Verfolgung und Vertreibung selbst erlebt haben, können ihre Erfahrungen nur noch medial überliefert werden. Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn niemand mehr sagen kann: „Ich habe das erlebt“?
Und was geschieht, wenn wir von der Bewahrung zur Interaktion übergehen? KI kann aus Fotografien, Stimmen, Texten und Filmen neue, scheinbar persönliche Antworten erzeugen. Aus einem digitalen Nachlass könnte so sogar ein „virtuelles Gegenüber“ entstehen.
Je stärker Erinnerung digital und interaktiv wird, desto wichtiger werden deshalb Fragen nach Authentizität, Urheberschaft und Grenzen: Wo endet das historische Dokument und wo beginnt Interpretation? Wer darf die Stimme eines verstorbenen Menschen verwenden? Wem gehört ein digitaler Nachlass? Was darf verändert oder neu erzeugt werden? Und gibt es neben einem Recht auf Erinnerung auch ein Recht auf Vergessenwerden?
Am Podium sprechen die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Barbara Mithlinger und Jürgen Heimlich, profunder Kenner der Wiener Friedhöfe. Das Gespräch moderiert Mischa G. Hendel vom Team des RundPunkt11.
Personenbeschreibung
Barbara Mithlinger ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin, Chansonsängerin, Künstlerin, Historikerin und Kuratorin. In ihrer Arbeit befasst sie sich mit Erinnerungskultur und der Rolle von Frauen* in der Kunst und setzt sich seit vielen Jahren für deren Sichtbarkeit ein. Seit 2021 leitet sie die kleine galerie der Wiener Volkshochschulen, wo sie Kunst, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbindet.
https://www.barbara-mithlinger.at/
Jürgen Heimlich gilt als profunder Kenner der Wiener Friedhöfe und beschreibt sich selbst als passionierten Friedhofsgänger. In seinen Publikationen Wiener Friedhöfe – eine Entdeckungsreise und Wiener Zentralfriedhofs-Führer nähert er sich den Wiener Friedhöfen essayistisch: als Orte, die weit über ihre Funktion als Begräbnisstätten hinausreichen und zu einer eigenen Entdeckungsreise durch die Stadt werden.
https://www.zeitzug.com/autoren/juergenheimlich.html
Weitere Infos
Einlass 19:00 Uhr, Beginn 19:30 Uhr
Ort: Gaußplatz 11
Freie Spende
Voranmeldung erbeten: office@rundpunkt11.at

